Kastration Hündin

Kastration oder Sterilisation? 

Bei Hündinnen wird eine Kastration durchgeführt, d.h. die Keimdrüsen, also die Eierstöcke und gegebenenfalls die Gebärmutter, werden vollständig entfernt. Dies hat zu Folge, dass die Hündin keinen Zyklus mehr hat und somit nicht mehr läufig wird, sich nicht fortpflanzen kann und auch keinen Sexualtrieb hat. Würde man die Hündin „nur“ sterilisieren, d.h. man würde nur die Eileiter durchtrennen, dann wäre der Sexualtrieb weiterhin erhalten und somit würde die Hündin weiterhin läufig könnte aber nicht mehr tragend werden.

Der Zyklus der Hündin: 

Die Zeit der Hitze (Läufigkeit; Östrus) ist für manche Hündinnen und Besitzer sehr anstrengend. Durchschnittlich dauert eine Läufigkeit circa 3 Wochen, wobei die letzten Tage, an denen die Blutung häufig deutlich nachlässt bis ganz verschwindet, die „gefährlichen“ Tage sind, an denen die Hündin erfolgreich gedeckt werden kann.

Danach befindet sich die Hündin im sogenannten Diöstrus und macht einen trächtigkeitsähnlichen Hormonverlauf durch. Am Ende dieser Diöstrus-Phase werden viel Hündinnen scheinträchtig, was zu Nestbauverhalten, Milchbildung und übermäßiger Fürsorge gegenüber der vermeintlichen Welpen führt. Dies ist ein physiologisches Verhalten, das ursprünglich dem Erhalt des Rudels diente, da sich so alle weiblichen Tiere der Pflege der Welpen widmeten.

Im Schnitt wird eine Hündin alle 6-9 Monate läufig. Es gibt sehr große rassespezifische Unterschiede und nach dem siebten Lebensjahr verlängert sich normalerweise das läufigkeitsfreie Intervall. Gesunde Hündinnen werden aber ihr Leben lang läufig.

Warum sollte ich meine Hündin kastrieren lassen und wenn ja, wann? 

Der wichtigste Grund für eine Kastration ist es, die Fortpflanzungsfähigkeit bzw. den Fortpflanzungstrieb zu unterbinden.

Bei der Entscheidung für oder gegen eine Kastration sollte immer das individuelle Tier betrachtet werden und alle Vor- aber auch Nachteile (ja auch diese sollen nicht verschwiegen werden) aufgewogen werden. Bei der Entscheidung für eine Kastration solle immer bedacht werden, dass man ein gesundes Tier nie achtlos einer Operation aussetzen sollte. Allerdings muss gesagt werden, dass das Narkoserisiko bei jungen, gesunden Tieren gering ist.

Nachfolgend möchten wir Ihnen die wichtigsten Pros und Contras aufzählen:

Vorteile: 

  • eine kastrierte Hündin kann keine Gebärmuttervereiterung mehr bekommen
  • keine Tumore an Eierstöcken oder Gebärmutterentzündungen
  • das Risiko an Gesäugetumoren zu erkranken sinkt deutlich, wenn die Hündin vor der 2. Läufigkeit kastriert wurde
  • kastrierte Hündinnen erkranken seltener an Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • schwerwiegend verlaufende Scheinträchtigkeiten mit Problemen durch Milcheinschuss etc. treten nicht mehr auf
  • es werden beim Spaziergang oder auch vor Ihrem Haus keine paarungswilligen Rüden mehr angelockt
  • die starken Blutungen mancher Hündinnen, die während der Läufigkeit zum hygienischen Problem in der Wohnung werden können, treten nicht mehr auf

Nachteile: 

  • Kastrierte Hündinnen sind leichtfuttriger als unkastrierte Artgenossen, d.h., dass sie eher dazu neigen Fett anzusetzen. Dem können Sie als Besitzer jedoch gegensteuern über eine angepasste Fütterung und indem Sie viel mit Ihrem Hund spazieren gehen, spielen und Sport treiben.
  • Einige langhaarige Rassen wie z.B. Irish Setter, Coker-Spaniels, Afghanen etc. können möglicherweise nach der Kastration wieder ein sogenanntes Babyfell bekommen. Dies spielt gesundheitlich keine Rolle, kann aber optisch und vom Pflegeaufwand her störend sein.
  • Selten können kastrierte Hündinnen harninkontinent werden. Oft tritt diese Inkontinenz erst Jahre nach der Kastration auf und ist in den meisten Fällen mit Medikamenten therapierbar. Allerdings bedeutet dies in solchen Fällen eine lebenslange Therapie.

Kastration vor der ersten Läufigkeit: 

Einige Zeit lang wurde die sogenannte Frühkastration, d.h. eine Kastration vor Eintritt der Geschlechtsreife sehr propagiert. Es gibt Studien, welche besagen, dass Hündinnen nach einer Frühkastration verändertes Verhalten wie z.B. Trennungsangst und verändertes Angst- und Fluchtverhalten  aufweisen. Unserer Meinung nach ist es besser für die Hündin diese einmal läufig werden zu lassen, da das Tier damit nochmals einen gewaltigen Entwicklungsschritt durchmacht und sozusagen „erwachsen“ wird. Das Problem der Harninkontinenz soll bei frühkastrierten Hündinnen zwar seltener auftreten, aber, wenn es auftritt, deutlich stärker ausgeprägt sein und oft nicht gut zu therapieren. Hündinnen mit einer Junghundvaginitis (ungefährliche, eitrige Scheidenentzündung bei jungen Hündinnen, die oftmals von selbst mit Eintritt der Läufigkeit verschwindet) sollten unter gar keinen Umständen frühkastriert werden, da die Erkrankung dadurch chronisch werden kann. 

Was muss am Tag der Kastration und in der Folge beachtet werden? 

Sie bringen Ihre Hündin zum vereinbarten Termin in die Praxis, nachdem Sie einen kurzen Spaziergang mit der Möglichkeit Harn und Kot abzusetzen gemacht haben. Die Hündin darf zuvor zwölf Stunden nichts gefressen haben – trinken darf sie. Die Tierärztin führt eine kurze Allgemeinuntersuchung durch, um sicherzustellen, dass eine Narkosefähigkeit gegeben ist und Sie unterschreiben uns ein Formular zur Narkoseeinwilligung. Sie dürfen gerne bei Ihrem Liebling bleiben bis er schläft.

Wenige Stunden nach der Abgabe können Sie Ihre Hündin wieder abholen.

Am Op-Tag sollten Sie Ihrem Hund zu Hause ein ruhiges, warmes Lager anbieten und nur kurz an der Leine rausgehen, damit er Urin und Kot absetzen kann. Ihre Hündin hat keine Schmerzen, da sie mit einem Schmerzmittel von uns versorgt wurde. Damit Ihr Hund nicht an der Wunde leckt (was zu massiven Wundheilungsstörungen führt, da in der Maulhöhle viele Bakterien „lauern“), sollte er einen Halskragen oder einen Body tragen. Am übernächsten Tag stellen Sie Ihren Hund kurz in der Praxis vor, damit überprüft werden kann, ob Ihr Tier die Narkose und Operation gut überstanden hat und wie der Heilungsverlauf ist. Zehn Tage nach der Kastration erfolgt nochmals eine Wundendkontrolle. Damit ist die Kastration abgeschlossen.

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